Mehr Marke als Mobilität?

3. November 2025

Anfrage

der Abgeordneten Maga . Edith Kollermann an Landeshauptfrau-Stellvertreter für Infrastruktur und Sport Udo Landbauer, MA gemäß § 39 Abs. 2 LGO 2001

betreffend: Mehr Marke als Mobilität? – Transparenz über Kosten und Nutzen von „leopoldi“

Die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) präsentierte am 3. Oktober 2025 gemeinsam mit LH-Stellvertreter für Infrastruktur und Sport, Udo Landbauer, MA, eine neue Dachmarke für den Regionalbus- und Bedarfsverkehr unter dem Namen „leopoldi“. Diese soll laut Landesrat Landbauer für „Verlässlichkeit, niederösterreichische Identität und Heimatverbundenheit“ stehen. Das Re-Branding umfasst sämtliche rund 1.500 Busse der NÖVOG-Flotte und soll laut Medienberichten (vgl. https://noe.orf.at/stories/3324176/) in einem ressourcenschonenden Stufenplan bis 2028 umgesetzt werden. Es handelt sich dabei um die bislang sichtbarste Maßnahme des Landesrats in seiner bisherigen Amtszeit. Auf konkrete Verbesserungen im Mobilitätsbereich wartet die Bevölkerung hingegen weiterhin vergeblich. Aus Sicht der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler stellen sich daher zentrale Fragen hinsichtlich der Kosten, Vergabe, Zweckmäßigkeit und Evaluierung dieser Maßnahme. Es gilt sicherzustellen, dass der Fokus der NÖVOG weiterhin auf einem leistbaren, zuverlässigen und klimaschonenden öffentlichen Verkehr liegt – und nicht primär auf Marketingaktivitäten. Die Gefertigte stellt daher an Landeshauptfrau-Stellvertreter für Infrastruktur und Sport Udo Landbauer, MA folgende

Anfrage

1. Welche Gesamtkosten sind für das Re-Branding der NÖVOG-Fahrzeugflotte auf die neue Dachmarke „leopoldi“ veranschlagt (inkl. Beklebung, Designentwicklung, Kommunikationsmaßnahmen, PR, etc.)?

2. Wie hoch sind die bisher (Stand Oktober 2025) tatsächlich angefallenen Ausgaben für die Umstellung?

3. Nach welchen Kriterien und von wem wurde die Agentur oder das Designbüro für die Markenentwicklung beauftragt?

4. Wurde die Auftragsvergabe öffentlich ausgeschrieben? a) Wenn ja, bitte um Angabe der entsprechenden Ausschreibungsnummer bzw. Veröffentlichung im Amtsblatt der EU oder im Vergabeportal.

5. In welchem Umfang wurde externe Beratung oder PR-Unterstützung beigezogen (z. B. Markenstrategie, Kommunikationskonzept, Markteinführung)?

6. Welche Vorteile werden aufgrund der Verlagerung der Kompetenzen vom VOR zur NÖVOG (Planung, Bestellung und Abwicklung der niederösterreichischen Regionalbus- und Bedarfsverkehre) erwartet? Welche Nachteile werden erwartet?

7. Werden durch die Verlagerung Einsparungen erwartet? Wenn ja, wie hoch?

8. Inwieweit soll das Angebot an Regionalbus- und Bedarfsverkehr verändert werden?

9. Wurden vor der Kompetenzverlagerung andere Wege erörtert, die Planung, Bestellung und Abwicklung der Regionalbusse gemeinsam mit dem VOR weiter im Verbund zu gestalten?

10. Wie sollen in Zukunft Doppelgleisigkeiten zwischen Linienbestellungen zwischen Wien, Burgenland und Niederösterreich verhindert werden?

 

 

Beantwortung

Udo Landbauer
LH-Stellvertreter

Herrn
Präsidenten des
NÖ Landtages
Mag. Karl Wilfing

St. Pölten am, 20. November 2025
LT8/2025 ÖV-LT-5/2025

Sehr geehrter Herr Präsident!

Die im Rahmen der Anfrage der Abgeordneten Mag. Edith Kollermann betreffend Mehr Marke als Mobilität? – Transparenz über Kosten und Nutzen von „leopoldi“, eingebracht am 23. Oktober 2025, Ltg.-833/XX-2025, an mich gerichteten Fragen beantworte ich wie folgt:

Das Re-Branding der Fahrzeuge im niederösterreichischen Regionalbus- und Bedarfsverkehr folgt einem ressourcenschonenden Stufenplan und wird daher schrittweise umgesetzt. Busse, die in den kommenden Jahren ausgetauscht werden, werden bereits durch weiße Fahrzeuge ersetzt und erhalten so ressourcenschonend die neue leopoldi-Beklebung.

Mit Stand 31. Oktober 2025 belaufen sich die Ausgaben für das Rebranding seitens der NÖVOG auf 7.900 Euro exkl. Mwst. – dies entspricht den Kosten für die Agentur Dagner & Partner. Beauftragt wurde dabei der Bestbieter von vier angefragten Agenturen seitens der NÖVOG. Die externe Beratung durch die genannte Agentur wurde für die Entwicklung der Dachmarke leopoldi sowie den daraus abgeleiteten Submarken für den Regionalbus- und Bedarfsverkehr in Anspruch genommen.

Die NÖVOG ist seit September 2024 für die Planung, Bestellung und Abwicklung der niederösterreichischen Regionalbus- und Bedarfsverkehre zuständig. Mit der Übernahme der Agenden wechselten auch die zuständigen Experten aus dem VOR in die NÖVOG. Durch die Verlagerung der Kompetenzen nach Niederösterreich – ähnlich wie in Wien mit den Wiener Linien und im Burgenland mit der BUMOG – wurden die Aufgaben rund um die Planung, Gestaltung und Durchführung des Nahverkehrs dort gebündelt, wo die Dienstleistungen tatsächlich erbracht werden. Das bedeutet mehr Nähe zu den Fahrgästen, größere Flexibilität, Entbürokratisierung sowie eine schnellere Umsetzung verbesserter Angebote, insbesondere in den Regionen für die Niederösterreicher. Der von der NÖVOG organisierte öffentliche Regionalverkehr bleibt tariflich weiterhin im Verkehrsverbund Ostregion integriert.

Die Vergabe von öffentlichen Verkehrsleistungen erfolgt in enger Partnerschaft und Abstimmung nicht nur mit den Nachbarländern der Ost-Region Burgenland und Wien (somit mit BUMOG und VOR), sondern auch mit der Steiermark und Oberösterreich sowie deren Verkehrsorganisationen bzw. – verbünden, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.

Ziel ist ein modernes, integriertes Gesamtverkehrsangebot für ganz Niederösterreich, das optimal auf die Bedürfnisse der Fahrgäste abgestimmt ist. Dabei bilden die Bahnlinien gemeinsam mit den leopoldi Regionalbussen die „Hauptschlagadern“ des öffentlichen Verkehrs in Niederösterreich. Auf besonders stark genutzten Strecken befördern sie die Fahrgäste schnell und in engem Takt von A nach B. Ergänzend dazu verkehrt ein laufend optimierter, schülerrelevanter Regionalbusverkehr. Auf diesem Regionalbus- und Bahnsystem baut der bedarfsgesteuerte öffentliche Verkehr mit Anrufsammeltaxis (leopoldi) auf. Diese verkehren flexibel und stehen auch auf Strecken und zu Tageszeiten zur Verfügung, an denen der Einsatz großer Linienbusse wenig sinnvoll wäre.

Mit freundlichen Grüßen,
Udo Landbauer, MA

Teilen:
Ideen, Fragen, Anregungen?
UNSERE NEOS-IDEEN FÜR NÖ