Community Nurses in NÖ
Zwischen Pilotprojekt, Versorgungslücke und Zukunftsmodell
Anfrage
der Abgeordneten Edith Kollermann an die Landesrätin für Soziales Christiane Teschl Hofmeister gemäß § 39 Abs. 2 LGO 2001
betreffend: Community Nurses in Niederösterreich – Zwischen Pilotprojekt, Versorgungslücke und Zukunftsmodell
Die Einführung von Community Nurses wurde österreichweit als wichtiger Baustein zur Stärkung der wohnortnahen Gesundheits- und Pflegeversorgung gestartet. Auch in Niederösterreich wurden entsprechende Pilotprojekte umgesetzt und nach Auslaufen der EUFinanzierung vom Land weitergeführt. Aktuell ist die Finanzierung bis Ende dieses Jahres zugesagt. Derzeit sind Community Nurses in Niederösterreich in rund 24 Projekten und etwa 54 Gemeinden im Einsatz. Sie leisten insbesondere präventive Arbeit, koordinieren Unterstützungsangebote und helfen Bürgerinnen und Bürgern dabei, sich im Gesundheitsund Pflegesystem besser zurechtzufinden sowie möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben zu können.
Internationale Erfahrungen sowie erste Evaluierungen zeigen, dass Community Nursing positive Effekte erzielen kann – insbesondere durch niederschwellige Beratung, frühzeitige Prävention, bessere Orientierung im Versorgungssystem und die Vermeidung unnötiger Belastungen anderer Gesundheitsbereiche. Auch Forschungsprojekte in Niederösterreich beschäftigen sich bereits mit gesundheitsökonomischen Effekten wie der Reduktion stationärer Aufenthalte oder der Entlastung anderer Leistungsträger im Gesundheitswesen. Gleichzeitig zeigt sich österreichweit eine zunehmende Diskussion über die strategische Rolle solcher Modelle.
So wurde zuletzt medial berichtet, dass das Land Salzburg nach der zwischenzeitlichen Einstellung des Projekts Community Nurses nun erneut einen Aufbau plant – unter anderem mit Blick auf Einsparungspotenziale im Rettungs- und Akutbereich sowie mit stärkerer Einbindung pflegerischer Tätigkeiten direkt vor Ort. Dabei wurde ausdrücklich auf niederösterreichische Modelle wie die „Acute Community Nurses“ verwiesen.
Gerade vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung, steigender Pflegebedarfe, zunehmenden Fachkräftemangels sowie wachsender Belastungen in Spitälern, Ambulanzen und im niedergelassenen Bereich stellt sich daher die Frage, welche strategische Rolle Community Nurses künftig in Niederösterreich einnehmen sollen.
Community Nurses haben das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zu einer stärker präventiven, wohnortnahen und integrierten Gesundheits- und Pflegeversorgung zu leisten. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass dieses Instrument derzeit noch nicht in jenem Ausmaß genutzt wird, das angesichts der demografischen und strukturellen Herausforderungen notwendig wäre.
Es ist daher aus politischer Sicht zentral, Klarheit über den weiteren Ausbau, die finanzielle Absicherung, die strategische Einbettung und die konkrete Zielsetzung dieses Modells in Niederösterreich zu schaffen. Die Unterfertigte stellt daher folgende
Anfrage
1. In welchen Gemeinden und Regionen Niederösterreichs sind Community Nurses aktuell im Einsatz (Stand Mai 2026)?
a. Nach welchen Kriterien wurden bzw. werden Standorte ausgewählt?
2. Warum erfolgte bislang keine flächendeckende Einführung?
3. Gibt es Regionen oder Gemeinden, in denen ein besonderer Bedarf festgestellt wurde, bislang jedoch kein Community-Nursing-Angebot besteht?
4. Wie hoch ist die aktuelle jährliche Finanzierung der Community-Nursing-Projekte durch das Land Niederösterreich?
5. Welche Gesamtkosten sind dem Land Niederösterreich seit Beginn der Projekte entstanden?
6. Ist eine langfristige strukturelle Verankerung von Community Nurses in Niederösterreich geplant?
a. Wenn ja, wie soll die Finanzierung nach 2026 sichergestellt werden?
b. Wenn nein, warum nicht?
7. Gibt es Gespräche mit dem Bund oder Sozialversicherungsträgern hinsichtlich einer dauerhaften Mitfinanzierung?
8. Welche konkreten Evaluierungen der Community-Nursing-Projekte in Niederösterreich wurden bisher durchgeführt?
a. Gibt es messbare Effekte hinsichtlich:
i. der Vermeidung von Spitalsaufenthalten,
ii. der Entlastung des niedergelassenen Bereichs,
iii. der Entlastung mobiler Pflege- und Betreuungsdienste,
iv. der Verbesserung der Gesundheitskompetenz,
v. der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit bzw. Heimaufnahmen,
vi. der Reduktion unnötiger Rettungs- oder Krankentransporte?
b. Welche Schlussfolgerungen zieht das Land daraus für den weiteren Ausbau?
9. Gibt es Kennzahlen oder Zielvorgaben für Community-Nursing-Projekte in Niederösterreich?
10. Welche konkrete Rolle sollen Community Nurses künftig im Zusammenspiel mit:
a. Primärversorgungseinheiten,
b. niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten,
c. mobilen Diensten,
d. Pflegeeinrichtungen,
e. Akut- und Langzeitversorgung
übernehmen?
f. Wie wird eine klare Aufgabenabgrenzung bzw. koordinierte Zusammenarbeit sichergestellt?
11. Welche Rolle spielen Community Nurses im Kontext des Gesundheitsplans 2040+ und des Grundsatzes „ambulant vor stationär“?
12. Wie bewertet das Land Niederösterreich die Weiterentwicklung von Modellen wie „Acute Community Nurses“?
13. Gibt es Überlegungen, Community Nurses künftig stärker in die direkte Versorgung einzubinden, etwa im Bereich Wundmanagement, Nachsorge oder medizinischpflegerischer Basisleistungen?
14. Ist ein Ausbau auf weitere Gemeinden oder Regionen geplant?
a. Wenn ja, in welchem Zeitraum und in welchem Umfang?
b. Wenn nein, warum nicht?
15. Welche Rolle spielt Community Nursing innerhalb der strategischen Pflege- und Gesundheitsplanung des Landes Niederösterreich?
16. Gibt es Überlegungen, Community Nurses verstärkt in Prävention, Gesundheitsberatung oder Case-Management einzubinden?
17. Welche konkreten Ausbauziele verfolgt das Land Niederösterreich bis 2030?