Gesundheitswesen in Niederösterreich:
Veränderung mit Fakten, Mut & Verantwortung
Das Gesundheitswesen in Niederösterreich steht vor einem entscheidenden Umbruch. Klar ist: Es gibt keine Reform ohne Veränderung. Wenn das System nicht angepasst wird, drohen Engpässe, Überforderungen und eine sinkende Qualität der Versorgung. Veränderung bringt aber auch Verunsicherung. Umso wichtiger ist es, dass Ziele, Wege und Gründe transparent und verständlich erklärt werden.
Warum Veränderungen notwendig sind
Die Herausforderungen sind vielfältig. Der demografische Wandel trifft Niederösterreich besonders stark. Schon heute ist jede dritte Person im Bundesland älter als 65 Jahre, und bis 2050 wird die Zahl der über 65-Jährigen um mehr als 50 % steigen, während die Zahl der Erwerbsfähigen zurückgeht. Gleichzeitig verzeichnet das Land einen deutlichen Geburtenrückgang: In den vergangenen acht Jahren sank die Zahl der Geburten um rund 23 % .
Auch die Kostenentwicklung ist besorgniserregend. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf liegen in Niederösterreich über dem österreichweiten Durchschnitt, während die Finanzierungsmöglichkeiten durch Bund, Land und Gemeinden bereits heute die Maastricht-Grenze für Defizite überschreiten. Hinzu kommt, dass im Bereich der ambulanten Versorgung ein besonders hoher Anteil der Kosten von den Patientinnen und Patienten privat getragen wird. Parallel dazu sinkt die durchschnittliche Verweildauer von Beschäftigten im Gesundheitswesen, viele sind ausgelaugt und verlassen den Beruf früher – ein gefährlicher Teufelskreis.
Wohin wir NEOS wollen – Zielsetzungen des Gesundheitsplans
Das Ziel muss klar definiert sein: Mehr gesunde Lebensjahre für die Menschen in Niederösterreich. Dieses Motto vertrete ich als Gesundheitssprecherin der NEOS in NÖ seit Jahren. Es bedeutet, Prävention zu stärken, Gesundheitskompetenz zu fördern, eine qualitativ hochwertige Versorgung in allen Regionen sicherzustellen und auch Bereiche wie das Rettungswesen, die Chronikerversorgung und die Mobilität im Alter neu zu denken.
Der NÖ Gesundheitsplan 2040+, der im März im Landtag beschlossen wurde, liefert dazu eine wichtige Grundlage. Auch NEOS hat diesem Plan zugestimmt, weil er die zentralen Ansätze enthält, die unser System zukunftsfit machen können. Entscheidend ist nun aber die Umsetzung – und da hat die Landesregierung in den letzten Jahrzehnten eher mit Ankündigungen als mit Taten Politik gemacht.
Beispiel Rettungswesen
Ein Beispiel für die geplanten Veränderungen ist das Rettungswesen. Die Zahl der Notfall-Einsatzfahrzeuge (NEF) soll von 32 auf 21 reduziert werden. Sofort entsteht die Sorge, dass dadurch die Chancen auf rechtzeitige Hilfe sinken. Doch die Welt ist komplexer: Schon die bisherigen Berechnungen zeigten, dass mit 32 Standorten 91,6 % der Bevölkerung innerhalb von 15 Minuten Fahrzeit erreicht werden konnten. Laut Notruf NÖ kann durch den gezielten Zuschnitt der Standorte auch mit weniger NEFs die Versorgung weiterhin gewährleistet werden. Die Wogen gehen dennoch in einzelnen Regionen hoch, weil anhand von Einzelfällen auch Maßnahmen plausibel in Frage gestellt werden. Es wird daher eine laufende Evaluierung brauchen, wie geänderte Prozesse die Versorgung sichern. Denn hier zeigt sich: Es geht nicht um die reine Zahl der Standorte, sondern um die Organisation und den tatsächlichen Bedarf.
Jetzt braucht es Mut
Die Fakten sind klar: Niederösterreich altert, die Geburtenraten sinken, die Gesundheitsausgaben steigen und das Personal ist überlastet. Der Gesundheitsplan 2040+ ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt braucht es Mut zur Umsetzung – den Mut, alte Strukturen zu hinterfragen, Interessen abzuwägen und den Menschen ehrlich zu erklären, warum Veränderungen notwendig sind. Nur so schaffen wir ein Gesundheitssystem, das nachhaltig funktioniert und den Menschen in Niederösterreich wirklich dient.