Community Nursing

17. Juli 2026

Community Nurse spricht mit Pensionistin

Community Nursing in Niederösterreich: Warum die Landesregierung die Zukunft der Pflege verschläft

Niederösterreich wird älter – und die Landesregierung schaut zu. Während andere Länder längst zeigen, wie moderne, wohnortnahe Pflege funktioniert, bleibt Community Nursing in Niederösterreich ein Randprojekt statt eines echten Zukunftsmodells.

Der Wunsch der Menschen: Alt werden, wo man zu Hause ist

Die meisten Menschen wollen eines: auch im Alter möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Die vertraute Umgebung, die Nachbarschaft, die sozialen Kontakte – all das soll bleiben. Doch sobald erste gesundheitliche Probleme auftreten oder Angehörige an ihre Grenzen stoßen, beginnt für viele niederösterreichische Familien die mühsame Suche nach Unterstützung durch einen Dschungel aus Zuständigkeiten und Formularen.

Genau hier setzen Community Nurses an: wohnortnahe Pflegefachkräfte als erste Anlaufstelle im Akutfall (Vater/Oma kommt nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus – wie geht es weiter?), fachkundige Pflege, die berät, Unterstützungsbedarf frühzeitig erkennt und pflegende Angehörige spürbar entlastet.

Ein international erprobtes Modell mit belegten Erfolgen

Dass wohnortnahe, präventive Pflege und Pflegeberatung funktioniert, ist kein Wunschdenken der NEOS, sondern international vielfach belegt. Vorreiter ist die niederländische Organisation Buurtzorg („Nachbarschaftspflege“), die seit 2006 erfolgreich auf kleine, selbstorganisierte Pflegeteams in der Nachbarschaft setzt.

Aber auch Dänemark gilt international als Vorreiter einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Dort arbeiten Pflege, Prävention und soziale Betreuung eng zusammen. Ältere Menschen werden früh begleitet, bevor Pflegebedürftigkeit entsteht oder sich verschlimmert. Hausbesuche, Gesundheitsberatung und individuelle Unterstützung sind seit Jahren fester Bestandteil des Systems.

Niederösterreich hinkt dem selbst erkannten Bedarf hinterher

Und genau hier zeigt sich das eigentliche Problem: In Niederösterreich ist von diesem Potenzial noch wenig angekommen. Aktuell werden lediglich 24 Community-Nursing-Projekte mit rund 38 Vollzeitäquivalenten finanziert – die Landesregierung selbst hält jedoch fest, dass für eine flächendeckende Versorgung rund 344 Vollzeitäquivalente notwendig wären. Das ist nicht einmal ein Achtel dessen, was das Land selbst als notwendig einstuft.

Tausende Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher haben damit heute keinen Zugang zu diesem Angebot – obwohl der Bedarf angesichts der alternden Bevölkerung stetig wächst. Während die Gesellschaft älter wird, die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt und Pflegekräfte knapper werden, bleibt Community Nursing in Niederösterreich ein Pilotprojekt im Kleinformat statt eines flächendeckenden Angebots.

Was ein modernes Gesundheitssystem braucht

Für die NEOS ist klar: Ein modernes, menschliches und vorausschauendes Gesundheitssystem setzt auf Prävention statt Reparatur. Community Nursing ist dafür ein zentraler Baustein – international erprobt, wissenschaftlich belegt und längst über das Versuchsstadium hinaus.

Community Nursing darf daher nicht länger als begrenztes Pilotprojekt behandelt werden. Niederösterreich braucht einen schrittweisen, aber klaren Ausbau mit dem Ziel einer flächendeckenden Versorgung in allen Regionen des Landes – finanziert aus dem bereits beschlossenen Budget, notfalls durch neu gesetzte Prioritäten innerhalb des Sozialbudgets. Wer heute in Prävention investiert, verhindert morgen deutlich höhere Kosten in Pflege, Spitälern und Langzeitversorgung.

Die Frage ist also nicht, ob sich Niederösterreich Community Nurses leisten kann. Die eigentliche Frage lautet: Kann es sich Niederösterreich leisten, weiter darauf zu verzichten?

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