Notarztstützpunkte in NÖ: Nicht die Punkte auf der Landkarte retten
Im Notfall zählt jede Minute. Und das gute Gefühl, dass im Ernstfall schnell die richtige Hilfe kommt. Deshalb verstehe ich, dass viele Menschen beunruhigt sind, wenn sie hören: Ab April 2027 gibt es in Niederösterreich statt 32 nur mehr 21 Notarztstützpunkte. Wird die Versorgung damit schlechter? Ein ehrlicher Blick auf die Fakten zeigt: nein – wenn die Reform richtig umgesetzt wird.
Was sich bei den Notarztstützpunkten ändert
Betroffen sind elf Standorte: Aspang, Groß-Enzersdorf, Groß Gerungs, Hainburg, Klosterneuburg, Pöggstall, Purkersdorf, Raabs an der Thaya, Retz, Waidhofen an der Ybbs und Ybbs-Persenbeug. Dort wird künftig kein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) mehr stationiert sein. Eine Lücke entsteht aber nicht. Stattdessen kommen besser ausgestattete Rettungswägen, sogenannte RTW-C, mit besonders qualifizierten Notfallsanitäter:innen. Landesweit soll es 86 solcher Standorte geben. Dazu kommen Telenotärzt:innen, die per Live-Verbindung zugeschaltet werden, First Responder in den Gemeinden und eine stärkere Flugrettung.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Es geht nicht darum, Hilfe wegzunehmen. Es geht darum, die richtige Hilfe dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.
Die richtige Hilfe am richtigen Ort
Die Realität im Rettungsdienst ist komplexer, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Von rund 300.000 Rettungseinsätzen pro Jahr in NÖ braucht es nur bei etwa 7.000 tatsächlich eine Notärztin oder einen Notarzt vor Ort. In allen anderen Fällen zählt, dass schnell gut ausgebildete Helfer:innen mit der richtigen Ausrüstung da sind.
Gleichzeitig sind Notärzt:innen – im Idealfall Anästhesist:innen – auch in den Spitälern dringend gebraucht. Im OP. Auf der Intensivstation. Schon heute lassen sich manche Notarztdienste nicht mehr verlässlich besetzen. Und ein Stützpunkt ohne Ärztin oder Arzt hilft niemandem.
Entscheidend ist also nicht, wie viele Punkte auf der Landkarte eingezeichnet sind. Entscheidend ist, dass jede und jeder im Notfall rasch genau die Hilfe bekommt, die sie oder er braucht. Warum wir NEOS die Reform grundsätzlich für richtig halten, habe ich auch in meinen Beiträgen „Rettungswesen in NÖ: Jetzt weiterentwickeln!“ und „Stillstand – ein Gesundheitsrisiko?“ beschrieben.
Die SPÖ und ihre eigene Reform
Eines muss man ganz offen sagen: Die Reform ist kein Alleingang von ÖVP und FPÖ. Die SPÖ hat den NÖ Gesundheitsplan 2040+ im Landtag mitbeschlossen. Zuständig für das Rettungswesen ist SPÖ-Landesrätin Eva Prischl. Sie hat die Liste der betroffenen Standorte selbst präsentiert. Und den Vertrag mit dem Umsetzungstermin 1. April 2027 hat die Landesregierung im Dezember 2025 einstimmig beschlossen.
Seit einigen Monaten tut die SPÖ nun so, als hätte sie damit nichts zu tun. Antrag um Antrag, Standort für Standort, fordert sie im Landtag die eigene Landesrätin auf, ihre eigene Entscheidung nicht umzusetzen. Und nach dem Gesundheitsausschuss im September beklagt sie, dass noch viele Fragen offen seien. Das bringt Schlagzeilen – aber keine einzige zusätzliche Notärztin. Wer die Menschen so verunsichert, betreibt Parteipolitik auf Kosten des Vertrauens in die Notfallversorgung.
Deshalb habe ich im Landtag nachgefragt: Welche Fragen sind offen – und wer beantwortet sie? Wer zuständig ist, muss auch Antworten liefern.
Wir NEOS fordern: Erst der Ersatz, dann die Umstellung
Wir stehen zur Reform. Aber nicht blind. Denn eine Reform ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Für uns NEOS ist daher klar:
- Ein Standort wird nur dann umgestellt, wenn der Ersatz nachweislich funktioniert. Das heißt: ein rund um die Uhr besetzter RTW-C, eine erreichbare Telenotärztin oder ein erreichbarer Telenotarzt in Niederösterreich und klare Zielwerte für die Eintreffzeiten.
- Bis Jänner 2027 muss die zuständige Landesrätin dem Landtag für jeden betroffenen Standort offenlegen, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind.
- Und nach der Umstellung werden die Eintreffzeiten regelmäßig veröffentlicht. Werden die Ziele verfehlt, muss nachgesteuert werden.
Einen entsprechenden Antrag bringen wir im Landtag ein. Wir werden die Umsetzung kritisch begleiten – mit Fakten statt Angstmache. Denn die Menschen in Niederösterreich haben beides verdient: eine moderne Notfallversorgung und ehrliche Politik.
Kurz gefragt:
Wann werden die Notarztstützpunkte in NÖ umgestellt?
Mit 1. April 2027. Danach gibt es in Niederösterreich 21 Notarztstützpunkte statt bisher 32.
Kommt im Notfall trotzdem eine Notärztin oder ein Notarzt?
Ja, wenn es medizinisch nötig ist: vom nächsten Stützpunkt, mit dem Hubschrauber oder per Telenotarzt.
Was ist ein RTW-C?
Ein Rettungswagen mit erweiterter Notfallausrüstung – EKG, Defibrillator – und besonders qualifizierten Notfallsanitäter:innen.
Was fordern die NEOS?
Umstellung nur dann, wenn der Ersatz nachweislich funktioniert – und regelmäßig veröffentlichte Eintreffzeiten.
Quellen
- Land Niederösterreich (20.08.2025): Künftig 21 NEF-Stützpunkte in NÖ
- NÖ Landtag: Antrag Ltg.-971-1 zum Gesundheitsplan 2040+
- NÖ Landtag, Anfrage von Edith Kollermann an LR Eva Prischl (05.10.2026): Gesundheitsplan 2040+ – Welche Fragen sind offen, und wer beantwortet sie?
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