Stillstand – ein Gesundheitsrisiko?

15. Juni 2026

Bei der Rettung geht es oft um Tempo. Um Minuten. Um Sicherheit. Und um das gute Gefühl, dass im Ernstfall schnell die richtige Hilfe kommt. Genau deshalb wird die Neuaufstellung des Rettungswesens in Niederösterreich so emotional diskutiert. Viele Menschen hören: „Elf Notarztstützpunkte fallen weg“ – und fragen sich verständlicherweise: Wird die Versorgung damit schlechter?

Diese Sorge muss ernst genommen werden. Genau das machen wir NEOS. Aber die Diskussion darf nicht politisch befeuert werden, wenn Fakten ein anderes Bild zeigen. Was heißt das?

Im NÖ Gesundheitsplan 2040+ ist eine „schnelle und vollkommene Rettungskette“ eines der zentralen Leitprinzipien. Genau darum geht es bei der Reform des Rettungswesens: nicht um weniger Versorgung, sondern um eine bessere, zukunftsfähige und verlässlichere Versorgung.

Der Knackpunkt ist bekannt: Die Zahl der Notarzteinsatzfahrzeug-Stützpunkte soll von derzeit 32 auf 21 reduziert werden. An jenen Standorten, an denen künftig kein NEF mehr stationiert ist, soll aber nicht einfach eine Lücke entstehen. Vorgesehen sind besser ausgestattete Rettungswägen, sogenannte RTW-C, mit besonders qualifizierten Notfallsanitäter:innen, ein stärkerer Einsatz der Flugrettung inkl. Nachtflugeinsätze, First-Responder-Systeme, telemedizinische Unterstützung und eine bessere Einbindung der Notärzt:innen in den Spitälern.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Es geht nicht darum, Hilfe wegzunehmen. Es geht darum, die richtige Hilfe dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.

Denn die Realität im Rettungsdienst ist komplexer, als es die politische Schlagzeile vermuten lässt. Tatsache ist, dass der überwiegende Teil der Einsätze des Rettungsdienstes keine Notfälle sind und von den Notfällen nur bei einem kleinen Teil überhaupt ein Notarzt vor Ort benötigt wird. Denn in vielen Fällen können gut ausgebildete Notfall- und Rettungssanitäter:innen rasch und professionell helfen. Gerade dadurch werden Notärzt:innen für jene Einsätze frei, bei denen ihre ärztliche Kompetenz wirklich entscheidend ist.

Das ist nicht nur organisatorisch sinnvoll, sondern entspricht auch einer modernen Entwicklung im Gesundheitswesen: Gesundheitsberufe außerhalb der Ärzteschaft werden stärker eingebunden. Nicht als Ersatz für Ärzt:innen, sondern als wichtige Ergänzung. Zur Entlastung der Ärzt:innen. Zur besseren Versorgung der Patient:innen. Und zur Stärkung einer Rettungskette, die auch in Zukunft funktionieren muss.

Diese Umstellung soll mit 1.4.2027 über die Bühne gehen. Können die Rettungsdienste das? Sie sagen dazu ein klares JA. Insbesondere die Grünen bezweifeln aber, dass wir bis dahin die Einsatzkräfte mit der notwendigen Qualifikation haben, aber auch die SPÖ gibt sich zögernd und – um es ganz offen zu sagen – bislang zu wenig oder gar falsch informiert, obwohl sie die Zuständigkeit in der Landesregierung für das Rettungswesen haben.

Unsere NEOS-Position ist klar: Wir müssen die Gesundheitsversorgung für die niederösterreichische Bevölkerung verbessern und nachhaltig absichern. Die Entwicklungen in Medizin, Rettungswesen oder Demografie sind rasant. Wenn wir hier heute stillstehen, verpassen wir eine Neuaufstellung des Rettungswesens, die internationalen Standards entspricht. Eine zusätzliche Ausbildung auf Bachelor-Basis begrüßen wir, hier fehlt es aber noch nach einer konkreten Vorgabe auf Bundesebene. Und das heißt eben nicht, dass die umfassend geschulten und erprobten Notfallsanitäter:innen das in Niederösterreich nicht leisten könnten.

Die gute Nachricht ist nämlich: Die berufsbegleitende Ausbildung, die in Niederösterreich sehr oft, aber nicht nur, von Ehrenamtlichen bewältigt wird, wird allgemein als qualitätsvoll eingestuft und für die Anwendungsfälle als geeignet angesehen.

Wenn im Zuge der Umsetzung bei einzelnen Standorten also Dinge angepasst werden müssen, ist das machbar. Es rechtfertigt aber nicht, den ganzen Gesundheitsplan in Frage zu stellen und Ängste in der Bevölkerung zu befeuern. Es geht darum, Gesundheitsversorgung für die Menschen in Niederösterreich nachhaltig abzusichern. Dazu gehört eine ehrliche Debatte. Dazu gehört Transparenz und Kontrolle. Und dazu gehört auch der Mut zu Veränderung, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln, damit sie den Anforderungen der Zukunft gerecht werden.

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