Europawahl-Tagebuch 4/

Aus aktuellem Anlass: Im Endspurt vor einer der wichtigsten Wahlen der jüngeren Geschichte Europas beschreiben meine kommenden Blogeinträge die letzten Wochen vor der Wahl des Europäischen Parlaments am 26.5.2019. Updates jeweils asap.

5.5.2019 Gedenk- und Befreiungssfeier KZ Mauthausen Memorial

Ich war zum ersten Mal in der KZ Mauthausen Gedenkstätte. Am Tag der Gedenk- und Befreiungsfeier war diese voll von Menschen, die gekommen waren zu gedenken, zu erinnern, ihre Botschaften zu übermitteln, da zu sein. Ein eiskalter Tag Anfang Mai mit – laut Zeitungsmeldungen – rund 9.000 Teilnehmern. Als ich vor neun Jahren, nicht viel später im Jahreslauf, die Gedenkstätte KZ Auschwitz-Birkenau besucht hatte, war es ein sonniger Tag in flirrender Junihitze. Es gab Besuchergruppen, aber dennoch war es sehr ruhig. So unterschiedlich die Ausgangslage – an beiden Tagen drang vor allem die Beklemmung zu mir durch, die aus der entsetzlichen Geschichte in die Gegenwart herüberwehte. Eine wirkliche Vorstellung für das, was sich hier alltäglich über Jahre hinweg abspielte, kann ich nicht haben. Wenn du dort stehst, in den weitläufigen Wegen zwischen den Baracken, vor den Mauern mit dem Stacheldraht, vor den erläuternden Schautafeln und du weißt, hier haben Menschen andere Menschen gequält und ermordet, einfach, weil sie diese als minderwertig einstuften, oder „einem Befehl folgten“ – das ist unfassbar.

Ich habe am Nachmittag auf der Rückfahrt verfolgt, worüber medial, insbesondere auf Twitter, berichtet wurde. Leider wurde auch versucht, parteipolitisches Kleingeld zu machen. Traurig.

Es ist enorm wichtig, nicht aufzuhören, an das Verbrechen des Holocaust zu erinnern, der Opfer zu gedenken und die Befreiung von diesem Regime zu feiern. Ebenso wichtig ist es, in der Gegenwart nicht zuzulassen, wenn gegen Menschen gehetzt wird, weil das für manche einfacher ist, als gemeinsam an echten Lösungen zu arbeiten, die eben nicht so einfach sind. Nicht zuzulassen, wenn die Spaltung der Gesellschaft in „Wir“ und „die Anderen“ betrieben wird. Davon nährt sich die Entstehung von autoritären, menschenverachtenden Regimen. Es ist wichtig, aber es reicht nicht, an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Jeder von uns hat aufzustehen, politische Entscheidungsträger vorneweg, wenn die universellen Menschenrechte in Gefahr sind. Der 26. Mai ist eine gute Gelegenheit dazu!

Der Tag war einmal mehr ein Zeugnis für die Wichtigkeit eines geeinten Europas: Ein Europa der Freiheit, ein Europa der Chancen, ein liebens- und lebenswertes Europa.

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